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U-Ausschuss Corona: Letzte Anhörungen von Vertreter:innen der Medien (2/2)

Mitglieder des “Untersuchungsausschusses zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten” tauschen sich am Nachmittag mit dem Ex-Chefredakteur der italienischen Rai-Redaktion in Bozen, Vivarelli, und dem ehemaligen Direktor des Rai-Sitzes Bozen, Longati, sowie mit der damaligen ff-Chefredakteurin Aschbacher aus.

Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten ist am Mittwoch (23. September 2026) unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa zusammengetreten, um Anhörungen im Bereich Gesellschaft durchzuführen.

Nachdem am Vormittag der Biostatistiker Markus Falk, Günther Heidegger, damaliger und derzeitiger stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung „Dolomiten“, sowie der damalige Rai-Präsident Marcello Foa ihre Sicht der Dinge geschildert hatten (siehe eigene Medienmitteilung), fanden am Nachmittag weitere Anhörungen von Medienvertreter:innen statt. “Es war der letzte Block, den wir diesem Themenbereich gewidmet haben”, sagte Vorsitzende Foppa im Anschluss an die Sitzung. “In diesem ging es zum einen um die italienische Rai-Redaktion Südtirols und zum anderen um die Wochenzeitung ‘ff’.” 

Roberto Vivarelli, der damalige Chefredakteur der italienischen Rai-Redaktion in Bozen, und Vittorio Longati, der damalige Direktor des Rai-Sitzes Bozen, hätten u.a. allgemein darüber berichtet, wie sich im großen Betrieb Rai in der Pandemie die Arbeitsbedingungen geändert hätten. “So wurde etwa eine Außensektion gebildet, um im Falle eines Totalausfalls der Rai aus Krankheitsgründen eine Notredaktion bereitzuhaben. Dies als Beispiel dafür, was für eine extreme Ausnahmesituation diese Pandemie war”, sagte Foppa. Ex-Chefredakteur Vivarelli habe von sehr schwierigen Monaten gesprochen, in denen sich die Nachrichten sowie die Töne des Notstands regelrecht überschlagen hätten. “Und er sprach ebenso von der Notwendigkeit, eine ausgewogene Berichterstattung zu garantieren”, informierte Foppa.
Danach gefragt, habe Vivarelli auch davon gesprochen, wie die zentrale Redaktion in Rom auf die Berichterstattung der lokalen Rai-Redaktion reagiert habe beispielsweise über impfkritische Kundgebungen, die in Bozen häufiger und mit größerer Beteiligung stattfanden als anderswo. “Da hat man Vivarelli zufolge in Rom schon hingeschaut”, so Foppa. “Doch hieß es von den beiden Rai-Vertretern auch, dass es keinen Eingriff in die journalistische Freiheit gegeben habe. Allerdings seien die Lokalredaktionen der Rai in ein enges System eingebunden, wo auch die Verantwortlichkeiten beim nationalen Chefredakteur lägen.”
Vivarelli und Longati hätten zudem von Aufforderungen gesprochen, über die Impfung sehr ausführlich zu informieren. “Laut ihnen war das eine Vorgabe, die italienweit tatsächlich da war”, berichtete Foppa. “Aus heutiger Sicht, so sagte Vivarelli, schaue man natürlich mit einer freieren und auch unbefangeneren Sicht auf diese Zeit.”
Im Zuge der Diskussion sei dann über die journalistische Freiheit in der Rai gesprochen worden. “Da war es Longati sehr wichtig, zu unterstreichen, dass die Rai ein sehr großer Medienapparat mit 2.000 Journalisten ist und dass man nicht entlassen wird, wenn man nicht linientreu ist”, so Foppa.

Mit Alexandra Aschbacher, der damaligen Chefredakteurin des Südtiroler Wochenmagazins „ff“, sei dann die Anhörungsreihe des Untersuchungsausschusses zu den Medien in Südtirol abgeschlossen worden. “Laut ihr hatte sich die ‘ff’ den Auftrag gegeben, weniger den täglichen Berichten und Zahlenmeldungen nachzuhängen, sondern einen kontinuierlichen Blick in die Gesellschaft zu werfen, darauf, so Aschbacher wörtlich, ‘was das mit der Gesellschaft machte’”, erklärte Foppa. Aschbacher habe gesagt, dass man sich vorangetastet und gesellschaftliche Risse auch verspürt habe. “Sie sagte wörtlich: ‘Wir haben versucht, allen Platz zu geben, aber heute sage ich, zu wenig’”, führte Vorsitzende Foppa aus. “Nach dem Ende der Pandemie sei bei der ‘ff’ das Thema der Spaltung der Gesellschaft, die verbleibende Wut und auch die vielleicht verbliebene gegenseitige Verachtung weiterhin betreut worden.” Aschbacher habe auch aus dem Gefühl heraus gesagt, dem Thema während der Pandemie nicht gerecht geworden zu sein. “Deshalb, so Aschbacher, habe die ‘ff’ eine reflexive Haltung eingenommen, und versucht, auch dorthin zu schauen, wo der Blick vielleicht manchmal noch mangelhaft war. Zum Beispiel in die Schulen oder zu Problemsituationen in der Familie”, sagte Foppa. Aschbacher habe eine Zeit lang auch Berichte eingefangen, die Menschen von sich aus zu ihren Erfahrungen aus der Pandemie gemacht hätten.
Abschließend habe es eine Diskussion über das Vertrauen in die Medien und über das Verbleibende aus dieser Zeit gegeben. “Aschbacher sagte, dass die Pandemie eine Entwicklung verstärkt und beschleunigt habe, die möglicherweise schon da war und in der die Medien eine andere Rolle einnehmen als früher”, erklärte U-Ausschuss-Vorsitzende Foppa und ergänzte, dass unter den verbleibenden Kennzeichen “wahrscheinlich die Entsolidarisierung das schlimmste ist. Da ist die Aufarbeitung auch noch nicht fertig.”

Der “Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten” tritt am kommenden Mittwoch, 30. September 2026, zu seiner nächsten Sitzung zusammen. In dieser wird die Studie “Gesellschaftliche Kohäsion nach der Pandemie“ des Center for Advanced Studies von Eurac Research vorgestellt sowie erste Anhörungen im Bereich Bildung durchgeführt.

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