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Plenarsitzung – Gleichstellungsrätin und Monitoringausschuss stellen Tätigkeitsberichte 2025 vor
Gleichstellungsrätin Hofer hat dem Plenum des Südtiroler Landtages ihre Jahresbilanz sowie jene des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen präsentiert: Mobbing und Diskriminierung bleiben zentrale Herausforderungen in der Arbeitswelt. Teilhabe und Mobilität prägten die Arbeit des Monitoringausschusses. Die Stellungnahmen und Fragen der Abgeordneten.
(Links zu Fotos sowie Video- und Audioaufnahmen der Präsentation am Textende!)
Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer hat am heutigen Mittwochvormittag (10. Juni 2026) im Südtiroler Landtag in Bozen ihren Tätigkeitsbericht 2025 ihres Büros sowie jenen des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (siehe auch PDF im Anhang) vorgestellt. Die Bilanz zeigt eine weiterhin hohe Nachfrage nach Beratung und Unterstützung sowie einen anhaltenden Bedarf an struktureller Prävention.
„Die beiden Berichte zeigen, dass trotz vieler Fortschritte noch immer Hindernisse bestehen, die Menschen in ihrer vollen Teilhabe am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben einschränken. Deshalb ist es wichtig, weiterhin in Prävention, Sensibilisierung und den Abbau von Barrieren zu investieren“, erklärte Brigitte Hofer.
Gleichstellungsrätin: 728 Fälle – Mobbing bleibt das Hauptthema
Im Jahr 2025 verzeichnete das Büro der Gleichstellungsrätin 728 Fälle und Beratungen und damit den vierten Anstieg in Folge. Mit knapp 50 Prozent aller Fälle bleiben Mobbing und geschlechtsspezifische Diskriminierung die dominierenden Themen, gefolgt von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (33 Prozent) sowie sexueller Belästigung und Stalking (6,6 Prozent). 62 Prozent der Ratsuchenden waren Frauen, 61 Prozent kamen aus der Privatwirtschaft und rund 60 Prozent aus dem Raum Bozen.
„Die hohe Zahl an Anfragen ist ein Zeichen des Vertrauens. Dass jedoch 49,6 Prozent der Fälle seit Jahren auf Mobbing zurückzuführen sind, ist kein Zufall. Es handelt sich um ein strukturelles Problem, das auch strukturelle Prävention erfordert“, betont Hofer.
Was sich hinter den Zahlen verbirgt, zeigt ein Fallbeispiel aus der Praxis: Eine Frau kehrt nach dem Mutterschaftsurlaub an ihren Arbeitsplatz zurück und wird ohne schriftliche Begründung in eine Abteilung mit weniger Verantwortung und schlechteren Arbeitszeiten versetzt. Nach dem Einschreiten der Gleichstellungsrätin wurde die Arbeitnehmerin wieder in ihre ursprüngliche Position eingesetzt.
„Solche Fälle zeigen, dass nicht immer der Weg vor Gericht notwendig ist. Oft genügt es, zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Dialog anzustoßen. Natürlich lassen sich nicht alle Situationen rasch lösen, aber rechtzeitig Hilfe zu suchen, kann entscheidend sein“, so Hofer.
Die Fälle wurden durch unterschiedliche Interventionsformen bearbeitet: 288 klassische Beratungen, 131 Informationsgespräche, 77 Mediationsgespräche sowie 122 gemeinsame Interventionen mit Einrichtungen des territorialen Netzwerks.
Konkrete Ergebnisse: Leitlinien, Fachtagung und Genderanalyse
Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhielten im Jahr 2025 zwei Meilensteine: Die gemeinsam mit Eurac Research und der Handelskammer Bozen erarbeiteten Leitlinien für inklusive Stellenausschreibungen, die von der Corriere della Sera als die ersten ihrer Art in Italien bezeichnet wurden, erweisen sich heute als aktueller denn je. Mit dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen zur Entgelttransparenz gewinnen viele der darin enthaltenen Empfehlungen – von der inklusiven Formulierung von Stellenanzeigen bis hin zur Angabe von Gehaltsinformationen – zusätzlich an Bedeutung und bieten Unternehmen sowie öffentlichen Körperschaften eine konkrete Orientierungshilfe.
Die Fachtagung zu Mobbing, Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz verzeichnete mehr als 300 Teilnehmende.
Ergänzend dazu wurde im Dezember 2025 der Interventionsplan zur Genderanalyse in der Landesverwaltung 2024 veröffentlicht. Darin werden strukturelle Ungleichheiten in der öffentlichen Verwaltung aufgezeigt und konkrete Maßnahmen zu deren Abbau vorgeschlagen.
Ausblick 2026: Neue Projekte und offene Fragen auf nationaler Ebene
Für das Jahr 2026 sind mehrere Schwerpunkte vorgesehen: Erklärvideos für junge Menschen, E-Learning-Inhalte zum Thema Mobbing für die Landesverwaltung sowie eine gemeinsam mit der Handelskammer organisierte Tagung zur Zertifizierung der Geschlechtergleichstellung am 1. Oktober.
Im Mittelpunkt steht außerdem das neue bereichsübergreifende Projekt „Gemeinsam gegen Mobbing“, eine Sensibilisierungskampagne für öffentliche und private Einrichtungen aller Bereiche, einschließlich des Bildungssektors.
Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem der Umsetzung der neuen Bestimmungen zur Entgelttransparenz. Diese stärken das Recht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Informationen über Gehaltskriterien und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verringerung geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede.
Auf nationaler Ebene bleiben das territoriale Netzwerk der Gleichstellungsrätinnen und deren Zuständigkeiten formal unverändert. Offen bleibt jedoch, wie die Zusammenarbeit zwischen staatlicher und territorialer Ebene künftig konkret gestaltet werden soll.
„Es ist entscheidend, dass die Autonomie, Unabhängigkeit und Wirksamkeit der territorialen Gleichstellungsrätinnen erhalten bleiben, damit sie weiterhin einen konkreten Schutz für Arbeitnehmende vor Ort gewährleisten können“, betont Hofer.
Monitoringausschuss: Mobilität, sechs Stellungnahmen und neue Perspektiven
Der Südtiroler Monitoringausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen unter dem Vorsitz von Brigitte Hofer widmete das Jahr 2025 dem Schwerpunktthema Mobilität. Der Ausschuss verabschiedete sechs Stellungnahmen zu konkreten Barrieren im öffentlichen Personennahverkehr und startete ein landesweites Projekt mit Mittelschulen.
„Mobilität ist eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wenn Menschen in ihrer Fortbewegung eingeschränkt werden, beeinträchtigt dies auch ihre Möglichkeiten auf Bildung, Arbeit und aktive Teilnahme am Gemeinschaftsleben“, erklärt Hofer.
Zu den Höhepunkten des Jahres zählten die Euregio-Tagung zur UN-Behindertenrechtskonvention mit rund 180 Teilnehmenden, die vollständig barrierefrei durchgeführt wurde, die Anhörung in der IV. Gesetzgebungskommission des Südtiroler Landtags sowie das Schulprojekt zum Abbau von Barrieren.
Das Jahresthema 2026 lautet „Gewalt an Menschen mit Behinderungen“. Geplant sind eine Sensibilisierungskampagne sowie eine öffentliche Sitzung des Monitoringausschusses Anfang 2027, um das Thema vertieft zu beleuchten und konkrete Handlungsvorschläge zu erarbeiten.
Stellungnahmen und Fragen der Abgeordneten
Waltraud Deeg (SVP) bedankte sich u.a. für die geleistete Tätigkeit und erklärte, dass es sie etwas schockiert habe, dass das Mobbing ein zunehmendes Problem sei - die aufgezeigten Lösungen anhand der Beispiele seien nicht zufriedenstellend. Die Frage sei, was sich am System ändere. Ein Dankeschön auch an die Mitglieder des Monitoringausschusses für ihre Tätigkeit.
Auch Brigitte Foppa (Grüne) bedankte sich für die geleistete Tätigkeit und erklärte u.a., ihr sei der überproportionale Anteil der italienischen Sprachgruppe bei jenen, die sich an die Gleichstellungsrätin gewandt hätten, aufgefallen. Womit hänge dies zusammen? Wie lange dauere eine Fallbearbeitung? Die Gleichstellungsrätin habe von Prävention gesprochen: Wie schaffe man es, damit Mobbing in einem System gar nicht erst aufkomme?
Sandro Repetto (PD - Demokratische Partei) erklärte u.a., die Anzahl von 728 von der Gleichstellungsrätin behandelten Fällen habe ihn betroffen gemacht. Sei es bei den Fällen, die nach der Erstberatung weiterverfolgt worden seien, auch zu Gerichtsverfahren gekommen?
Alex Ploner (Team K) sagte u.a., er sei mit der Gleichstellungsrätin immer wieder im Austausch über gemeinsame Themen. Eines dieser Themen sei das Mobbing. In der Präsentation sei ihm aufgefallen, dass die Gleichstellungsrätin 7 Schulvorträge gehalten habe - das erscheine ihm wenig angesichts des großen Aufklärungsbedarfs. Man müsse zusehen, mit dem Thema stärker in die Schulen zu kommen, um Sensibilisierungsarbeit zu leisten.
Madeleine Rohrer (Grüne) bedankte sich ebenso für die Arbeit der Gleichstellungsrätin und erkundigte sich u.a. nach den Zahlen zur sexuellen Belästigung und nach Lösungsvorschlägen der Gleichstellungsrätin.
Einen Dank für die Arbeit sprach auch LRin Rosmarie Pamer aus und erinnerte u.a. an die intensive Zusammenarbeit ihres Ressorts mit der Gleichstellungsrätin. Zum Thema Sonnenblumenband, das im Landtag behandelt worden sei: Wie möchte der Monitoringausschuss diesbezüglich vorgehen?
Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer antwortete u.a., dass nicht sie die Fälle löse, sondern die Lösungsvorschläge gemeinsam mit der betroffenen Person erarbeitet würden - im vorgebrachten Beispiel, das die Abgeordnete Deeg angesprochen haben, habe die Person nicht an der Arbeitsstelle bleiben wollen. Teilzeit sei kein Recht, manche Frauen würden sich dann im ersten Lebensjahr des Kindes für eine Kündigung entscheiden; die Frage sei: Wie hole man diese Frauen dann wieder in den Arbeitsmarkt zurück? Dazu habe es auch einen Austausch mit LRin Amhof gegeben. Als sie angefangen habe, zu arbeiten, sei ihr aufgefallen, dass wenige Italiener zur Gleichstellungsrätin gekommen seien - die Gleichstellungsrätin sei im italienischen Sprachraum nicht so bekannt gewesen. Sie sei dann aktiv geworden, damit die Gleichstellungsrätin dort mehr Bekanntheit erlange. Dadurch seien die Zahlen der Beratungen von Italienern gestiegen. Bezüglich Mobbings: Die Arbeitnehmer hätten die Pflicht, einen gesunden und sicheren Arbeitsplatz zu sichern - das wüssten viele nicht. Die Landesverwaltung habe bei ihr angefragt, ob sie Inhalte zum Mobbing für das E-Learning zur Verfügung stellen könne; sie mache dazu auch Weiterbildungen. Der Begriff Mobbing werde mitunter auch genutzt, um einen Konflikt zu beschreiben; um Mobbing vor Gericht zu bringen, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Hofer führte aus, wie eine Mediation abläuft. Von 728 bearbeiteten Fällen habe sie 47 an andere Institutionen weitergeleitet, weil sie nicht in ihre Zuständigkeit gefallen seien. Sie habe nie einen Fall vor Gericht gebracht. Sie habe wegen des Lehrerstreiks weniger Vorträge an Schulen gehalten, sie hoffe, dies werde sich im kommenden Schuljahr ändern. Man habe ein gemeinsames, wichtiges Projekt mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft zu Mobbing in den Schulen - es sei ein soziales Projekt. Der Monitoringausschuss habe sich bereiterklärt, bezüglich Sonnenblumenband aktiv werden zu wollen.
Kontakt
Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer
Tel. 338 2511066
Cavourstraße 23/c – 39100 Bozen
info@gleichstellungsraetin-bz.org
Links zu Fotos sowie Video- und Audioaufnahmen der Präsentation:
Fotos (Quelle: Südtiroler Landtag): https://www.flickr.com/photos/190091852@N05
Video- und Audioaufnahmen (Quelle: Südtiroler Landtag/GNews): https://we.tl/t-LTxCViCPH7JvU8EO
INFO für die Medien: Beide Links werden im Laufe des Vormittags mit aktuellen Fotos sowie Video- und Audioaufnahmen der Anhörungen der Verantwortlichen der Ombudsstellen ergänzt.
GSR/tres

