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1. März, Equal Care Day und Zero Discrimination Day – Frauen tragen weiterhin den Großteil der Sorgearbeit
Gleichstellungsrätin Hofer: „Gleichstellung wird konkret, wenn Sorgearbeit sichtbar gemacht, anerkannt und partnerschaftlich geteilt wird.“ Wenn dies nicht geschieht, entsteht Diskriminierung, die sich auf Arbeitsmarkt, Einkommen und Pensionen auswirkt.
Auch in diesem Jahr bestätigen die aktuellsten Daten, dass die Verteilung der Sorgearbeit weiterhin stark zulasten der Frauen verschoben ist und strukturelle Nachteile am Arbeitsmarkt verursacht. Anlässlich des Equal Care Day, der am 1. März begangen wird, weist Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer darauf hin, dass die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit weiterhin einen zentralen strukturellen Benachteiligungsfaktor für Frauen am Arbeitsmarkt darstellt. Auch dies ist eine der vielen Formen von Diskriminierung, auf die der ebenfalls am 1. März stattfindende Zero Discrimination Day aufmerksam machen will – ein Gedenktag, der daran erinnert, dass Ungleichheiten oft nicht offen sichtbar sind, sondern über strukturelle Rahmenbedingungen wirken.
„Solange die Verteilung der Sorgearbeit stark zulasten der Frauen verschoben bleibt, wirkt sich dies strukturell auf ihre Position am Arbeitsmarkt aus“, betont Hofer. „Sorgearbeit ist kein privates Randthema, sondern ein zentraler Faktor geschlechtsspezifischer Ungleichheiten, der Einkommen, Karrierechancen und Pensionssicherheit maßgeblich beeinflusst.“ Dahinter stehen auch tief verankerte Rollenbilder: Sorgearbeit wird gesellschaftlich noch immer überwiegend Frauen zugeschrieben und bleibt häufig unsichtbar oder unzureichend anerkannt.
Die Auswirkungen auf Erwerbsbiografien sind deutlich. Wer hauptsächlich Kinder betreut oder Angehörige pflegt, arbeitet häufiger in Teilzeit, unterbricht öfter die Erwerbstätigkeit und hat geringere Aufstiegs- und Einkommenschancen. Für viele Frauen bedeutet dies eine doppelte tägliche Belastung, die weitgehend unsichtbar bleibt.
Laut ISTAT-Zeitverwendungserhebung 2023 leisten Frauen in italienischen Paarhaushalten mit zwei erwerbstätigen Partnern 61,6 % der gesamten unbezahlten Haus- und Sorgearbeit. Auch der Gender Equality Index 2025 des EIGE zeigt deutliche Unterschiede: 65 % der Frauen, aber nur 28 % der Männer verrichten täglich Hausarbeit. 41 % der Frauen wenden mehr als 35 Wochenstunden für Kinderbetreuung auf (Männer: 16 %), während 31 % der Frauen mehr als 20 Wochenstunden informelle Pflege leisten (Männer: 23 %).
Auch in Südtirol zeigen sich strukturelle Effekte. Laut Genderanalyse der Landesverwaltung 2024 arbeiten rund 57,9 % der Frauen in der Landesverwaltung in Teilzeit. In den großen Südtiroler Unternehmen entfallen laut AFI-Forschungsbericht Nr. 8 (2022–2023) 81,8 % der Teilzeitverträge auf Frauen.
Zunehmend relevant ist auch die Rolle der Unternehmen bei der Förderung einer gerechteren Verteilung der Sorgearbeit. Flexible Arbeitsmodelle, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie geschlechtersensible Karrierewege können wesentlich dazu beitragen, strukturelle Nachteile zu reduzieren. In diesem Zusammenhang gewinnen sowohl die Zertifizierung der Geschlechtergleichstellung (UNI/PdR 125:2022) als auch die Umsetzung der EU-Richtlinie 970/2023 zur Entgelttransparenz besondere Bedeutung als konkrete Hebel für fairere und inklusivere Arbeitsumfelder.
Die Gleichstellungsrätin fordert daher einen entschlossenen Ausbau der Kinderbetreuungs- und Pflegeangebote, die rasche Umsetzung der EU-Richtlinie 970/2023 zur Entgelttransparenz sowie wirksame Maßnahmen gegen die geschlechtsspezifische Segregation am Arbeitsmarkt.
„Eine faire Verteilung der Sorgearbeit hängt nicht allein von individuellen Entscheidungen ab“, so Hofer abschließend. „Der Zero Discrimination Day erinnert uns daran, dass echte Chancengleichheit nur dann erreicht wird, wenn strukturelle Benachteiligungen konsequent erkannt und abgebaut werden.“
Quellen
- ISTAT (2023), Indagine Multiscopo „Uso del tempo“ – Infografiken zum Internationalen Frauentag 2025:
https://www.istat.it/infografiche/giornata-internazionale-della-donna-8-marzo-2025-in-infografiche/ - European Institute for Gender Equality – EIGE (2025), Gender Equality Index 2025 – Italy. Country Factsheet.
- Autonome Provinz Bozen – Südtirol / Gleichstellungsrätin (2024), Genderanalyse der Südtiroler Landesverwaltung.
- AFI – Arbeitsförderungsinstitut / Gleichstellungsrätin (2022–2023), 8. AFI-Forschungsbericht zur Beschäftigungssituation in großen Südtiroler Unternehmen.
Kontakt
Brigitte Hofer, Gleichstellungsrätin
Tel. 338/2511066, brigitte.hofer@gleichstellungsraetin-bz.org
GR

