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Corona-U-Ausschuss (1/2): Verantwortliche des Sanitätswesens angehört
Stellungnahme des ehemaligen Gesundheitslandesrats Thomas Widmann sowie Panel-Anhörung der zum Zeitpunkt der Pandemie Verantwortlichen der Südtiroler Bezirkskrankenhäuser in Vormittagssitzung des Untersuchungsausschusses. Am Nachmittag weitere Anhörungen geplant.
Am heutigen Mittwoch (18. Februar 2026) ist der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten des Südtiroler Landtages unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa zusammengetreten, um mehrere Anhörungen durchzuführen.
Am Vormittag nahm zunächst der ehemalige Gesundheitslandesrat Thomas Widmann Stellung, derzeit Landtagsabgeordneter und als solcher auch Mitglied des Corona-U-Ausschusses. „Der damalige Landesrat Widmann hat die Maßnahmen, die in Südtirol während der Pandemie getroffen wurden, großteils auf die römischen Vorgaben zurückgeführt und davon gesprochen, dass die Verhandlungen mit dem Ministerium schwierig und die Spielräume gering waren“, berichtete Vorsitzende Foppa nach dem ersten Teil der Sitzung. Widmann habe einige Maßnahmen nachträglich auch kritisch eingeordnet. „Auf den Massentest angesprochen, hat er zum Beispiel zugegeben, dass dieser nicht den erhofften Erfolg gebracht habe. Und er hat auch in Bezug auf die römischen Vorgaben wörtlich gesagt: ‚Gegen einige Maßnahmen, die nicht vertretbar sind, hätten wir rebellieren müssen‘“, so Foppa und ergänzte, dass diese Aussage insbesondere darauf bezogen gewesen sei, „dass Menschen in den Seniorenheimen in Einsamkeit sterben mussten und dass Kindern und Jugendlichen zwei Jahre ihres Lebens genommen worden sind“.
Es folgte dann die gemeinsame Anhörung der zum Zeitpunkt der Pandemie Verantwortlichen der Bezirkskrankenhäuser des Südtiroler Sanitätsbetriebs: Auskunft gaben Irene Pechlaner, ehemalige Direktorin des Gesundheitsbezirks Meran, Kurt Habicher, geschäftsführender ärztlicher Direktor des Krankenhauses Schlanders, Gottfried Kühebacher, ärztlicher Direktor des Krankenhauses Innichen, sowie Michael Engl, verantwortlicher Arzt der ärztlichen Direktion des Krankenhauses Sterzing. „Diese Panel-Anhörung war der Versuch einer neuen Art der Anhörung“, schickte Ausschussvorsitzende Foppa voraus und führte dann die im Panel abgearbeiteten Schwerpunktthemen aus: Impfungen, Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, Suspendierungen des Pflegepersonals sowie Zusammenspiel Sanität und Soziales/Seniorenwohnheime.
„Die Impfungen waren ein großes Thema: Bekanntermaßen gehen diesbezüglich auch innerhalb des Ausschusses die Meinungen auseinander – was heute auch spürbar war und weshalb es auch sehr viele Nachfragen zum Thema gegeben hat“, unterstrich Foppa. Die ärztlichen Leiter hätten darauf hingewiesen, dass die Impfung eine sehr große Erleichterung in ihre Häuser gebracht habe; die Situation habe sich sofort gebessert. Die Angehörten hätten erklärt, dass sie nach wie vor alle Befürworter der Impfung seien – es gebe auch Schäden und Folgen, die heute noch wirkten.
Beim Thema Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen sei es um Fragen gegangen wie: Wie viel haben aus gesundheitlicher Sicht die Schulschließungen gebracht? Hat das Freitesten etwas gebracht? „Die anwesenden Ärzte haben durchaus kritisch und sachlich auf diese Zeit geblickt. Man würde heute vieles anders machen. In der Pandemie war es Priorität, die Intensivmedizin zu gewährleisten und in einigen Momenten haben sich die Dinge auch sehr stark und sehr schnell zugespitzt“, so Foppa. Es sei u.a. nachgefragt worden, ob sich damals die ärztliche Versorgung zu stark auf Corona fokussiert habe. „Beim gemeinsam darüber Nachdenken kam man schon zum Schluss, dass viele andere Tatsachen das Nachsehen hatten. In einigen Krankenhäusern konnten etwa kaum Operationen durchgeführt werden und man kann ebenso davon ausgehen, dass bei Vorsorge und Früherkennung etwas auf der Strecke geblieben ist“, sagte Foppa. „Es wurde auch bestätigt, dass viele Menschen die Krankenhäuser gemieden haben.“
Beim Themenschwerpunkt Suspendierungen des Pflegepersonals habe man Auskünfte darüber erhalten, wie groß der Anteil der Menschen gewesen sei, die suspendiert wurden und wie viele zurückgekehrt seien. „In den meisten Fällen konnte die Rückkehr erfolgen, außer im Vinschgau und in Meran, wo durch die Nähe zur Schweiz ein allgemeines Problem der Abwanderung von Pflegekräften besteht. Während der Pandemie war das noch einmal deutlicher zu spüren“, führte Foppa aus. Die ärztlichen Verantwortlichen hätten davon gesprochen, dass die Suspendierungen immer schweren Herzens durchgeführt worden seien – die Verantwortlichen hätten sie durchführen müssen, da es eine gesetzliche Vorgabe gewesen sei. Wenn Suspendierungen nicht mit der nötigen Sensibilität durchgeführt worden sein, dann entschuldige man sich.
Beim Zusammenspiel zwischen Sanität und Sozialem „wird allgemein die Problematik gesehen und aufgeworfen, gerade im Hinblick auf die sehr, sehr schwierige Situation in den Seniorenwohnheimen“, so Foppa. „Heute sagt man, dass das Zusammenspiel hätte besser sein müssen, man hätte sich mehr helfen können und man hätte die Seniorenheime unbedingt besser unterstützen müssen. Dieses Sterben in Einsamkeit, das passiert ist und das in einer Gesellschaft niemals passieren darf, hätte eingegrenzt werden müssen. Auch das ist eine Erkenntnis, die in der Nachbereitung getroffen werden muss.“
Die Sitzung des Corona-Untersuchungsausschusses wird am heutigen Nachmittag ab 15 Uhr mit einer weiteren Panel-Anhörung fortgesetzt, bei der Gesundheitsexperten aus Deutschland und Österreich zu Wort kommen werden. Zudem wird der aktuelle Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Christian Kofler, angehört werden.
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