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„Alphabet der Farbe“: Vortragsabend über Karl Plattner im Landtag
Die Abendveranstaltung mit Beiträgen renommierter Kunstexpertinnen und -experten bildete den Auftakt zu einer Reihe von Initiativen, die der Landtag dem Künstler zum 40. Todesjahr widmet. Präsident Schuler: „Plattner stand für Neues”
Link zu Fotos und Videoaufnahmen der Veranstaltung am Textende!
Das Leben und das Werk von Karl Plattner standen im Mittelpunkt eines Vortragsabends am heutigen Freitag (13. Februar 2026) im Südtiroler Landtag in Bozen. Es war der Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Alphabet der Farbe“, die der Landtag im Jahr 2026 dem Vinschger Künstler anlässlich seines 40. Todesjahres widmet. Am Geburtstag Plattners, der 1919 zur Welt kam, und vor dem großen Fresko, das der Maler 1954 nach dem Gewinn eines Wettbewerbs realisierte, der ausgeschrieben worden war, um im Plenarsaal „den wirtschaftlich-kulturellen Fortschritt sowie auch die einzelnen Landschaften Südtirols“ darzustellen, begrüßte Landtagspräsident Arnold Schuler die zahlreichen Anwesenden, insbesondere die Tochter des Künstlers, Anna Silvia Plattner, Ehrengast der Veranstaltung. Schuler verwies darauf, dass es damals – gegen einige Widerstände – eine mutige Entscheidung gewesen war, einen umstrittenen Künstler wie Plattner auszuwählen, der für das Neue stand. „Das passte aber gut zu diesem Landtagsgebäude, das selbst Ausdruck eines Aufbruchs und eines Blicks in die Zukunft unseres Landes war“, unterstrich der Präsident und ergänzte, dass der heutige Vortragsabend die erste Veranstaltung einer Reihe ist, zu denen im Frühjahr in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit dem Landtag Tirol und dem Salzburger Landtag eine Exkursion zur Europakapelle in Innsbruck und zum Großen Festspielhaus in Salzburg sowie im Herbst Kunstführungen im Landtag gehören.
Anschließend beleuchteten renommierte Kunstexpertinnen und -experten das Leben und den künstlerischen Werdegang des Malers zwischen Südtirol, Brasilien und Österreich.
Zunächst referierte die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Kulturpublizistin Eva Gratl, stellvertretende Vorsitzende des Südtiroler Künstlerbundes, über Karl Plattners Frühwerk – angefangen bei den Aquarellen und Ölbildern, die die Bauernhöfe der Optanten in seiner Heimat Vinschgau darstellen, und den Gemälden in der Pfarrkirche Lichtenberg und der St.-Johann-Kirche in Prad am Stilfserjoch sowie dem Kriegerdenkmal in Mals. „Wer einen Blick in die frühen Arbeiten Plattners wagt“, so Gratl, „erkennt, wie sehr er sich freigemalt haben muss, um ab 1950 den für seine Bilder charakterisierenden Ausdruck zu finden. Kubistisch, verwinkelt, große Kulisse, kantige Figuren.“ In diesem Sinne bezeichnete die Referentin die 1959/60 entstandene Pietà von Alsack als „sicher eines der eindrucksvollsten Werke“ des Künstlers.
Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Daniela Ferrari, Expertin für italienische Kunst des 20. Jahrhunderts und Verantwortliche der Sammlung VAF Stiftung im MART, stellte in ihrem Vortrag das in Brasilien entstandene Werk Plattners vor. Der Künstler, so Ferrari, war „ein sehr gebildeter Maler”, der auf der Grundlage eines großen Forschungsfeldes arbeitete. Brasilien zog ihn wegen der neuen Landschaften und Perspektiven, wegen einer für ihn fremden Bevölkerung an. Plattner etablierte sich schnell im Land, befasste sich intensiv mit menschlichen Handlungen und urbaner Architektur und führte wichtige Vorstudien durch. Die Referentin nahm auch Bezug auf den Briefwechsel zwischen Leonardo Cremonini und Plattner, aus dem nicht nur kritische Kommentare von Ersterem über das Werk von Zweiterem hervorgehen, sondern auch Bezugnahmen auf das für den Landtag geschaffene Wandgemälde. Die Erfahrungen in Brasilien bilden einen wichtigen Meilenstein in Plattners Laufbahn.
Der Beitrag von Ursula Schnitzer, Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin sowie tätig im Bereich Ausstellungsprojekte, konzentrierte sich auf den Dialog von Plattners Wandgestaltungen mit der Architektur. Schnitzer erinnerte an die Verbindung Plattners zu den Kirchen seiner Kindheit und daran, dass der Künstler einst erklärt hatte, „die Wandmalerei steht seit jeher im Dienste der Allgemeinheit, da sie meistenfalls für öffentliche Bauten Verwendung findet“, betonte aber auch Plattners starke Bindung zum Vinschgau und ging auf die Zusammenarbeit mit den Architekten der Gebäude ein, in denen er seine wichtigsten öffentlichen Arbeiten umsetzte: das Fresko im Südtiroler Landtag (Arch. Guido Pelizzari), die Pietà von Alsack (Arch. Willy Gutweniger), die künstlerische Gestaltung des Foyers des Salzburger Festspielhauses (Arch. Clemens Holzmeister), die Fresken der Europakapelle (Arch. Hubert Prachensky) und die Wandarbeit in der Austria Bundesländerversicherung (seit 2002 Uniqa) in Wien (Arch. Georg Lippert). Dem öffentliche Werk Plattners ist laut Schnitzer auch die Herbstausstellung 2026 im Schloss Kastelbell gewidmet.
Andreas Hapkemeyer, Germanist, Kunsthistoriker und Kurator, ehemaliger Direktor des Museion in Bozen, sprach über Plattners öffentliches Werk zwischen Realismus und Abstraktion in den Jahren von 1951 bis 1965. Der Realismus wurde den sozialistischen Ländern zugeschrieben, aber für den Künstler war er eine naheliegende Form, um „mit einem breiten, nicht nur kunstaffinen Publikum zu kommunizieren“. Er halte die Fresken in der Kapelle der Europabrücke für Plattners Hauptwerk, weil sie die gesamte Geschichte Europas erzählten, so Hapkemeyer, und schloss mit der Feststellung, Plattner sei ein Künstler, “der dezidiert über die Grenzen des Landes hinaus gewirkt hat”.
Der Kunsthistoriker und außerordentliche Professor an der Universität Innsbruck Markus Neuwirth, Kurator der Publikation „Kunst im Südtiroler Landtag“, befasste sich schließlich mit der Fortuna Critica Plattners und zeichnete die Rezeption des Künstlers in der kunsthistorischen Debatte nach. In Brasilien veröffentlichten renommierte Intellektuelle Artikel über den Künstler; interessant sind auch die Fotografien seiner Werke, mit deren Anfertigung er erfahrene Fotografen betraute. Wie bereits die anderen Referenten betonte auch Neuwirth die Bedeutung der Kataloge, in denen die Werke des Künstlers gesammelt sind. Plattner und sein Werk waren auch Thema von Diplomarbeiten in Brasilien. Der Künstler sprach neben Deutsch und Italienisch, Französisch, Portugiesisch und Englisch und hatte auch Kontakte in den USA - er sei, hob Neuwirth hervor, „Weltbürger“ gewesen, als er für die Realisierung des Freskos im Landtag nach Bozen kam. Mit der Rezeption Plattners schaue es im Euregio-Raum sehr gut aus, in Deutschland und Mitteleuropa dagegen schlecht - als sehr positiv bewerte er indes die neue Entwicklung in Brasilien, so Neuwirth abschließend.
Im Anschluss an die Vorträge beantworteten die Referierenden Fragen aus dem Publikum. Unter anderem ging es um die Gründe für den Umzug nach Brasilien und die Rückkehr nach Südtirol sowie den Wettbewerb für das Fresko im Landtag
HINWEIS:
Informationen zu den nächsten Terminen der Reihe „Alphabet der Farbe” – einer Exkursion auf den Spuren Karl Plattners (9. Mai) vom Landtag in Bozen über die Kapelle an der Europabrücke bis hin zum Salzburger Festspielhaus, die von Ursula Schnitzer und Alessandro Casciaro begleitet wird, sowie den beiden Führungen zu Plattners Werk im Landtag (10. September und 15. Oktober) mit Schnitzer – werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.
Link zu Fotoaufnahmen (Quelle: Südtiroler Landtag/Caldonazzi): https://www.flickr.com/photos/190091852@N05
Links zu Videoaufnahmen (Quelle: Südtiroler Landtag/Gnews):
- Allgemeine Aufnahmen https://we.tl/t-6h8h2cTbp7
- Statement Arnold Schuler (Audio + Video) https://we.tl/t-NYTWTVr9RN
- Statement Anna Silvia Plattner (it., Audio + Video) https://we.tl/t-6UIGZvbebz
- Statement Andreas Hapkemeyer (Audio + Video) https://we.tl/t-p9yFvf7KiQ
- Statement Daniela Ferrari (it., Audio + Video) https://we.tl/t-RgMltL3v5i
- Statement Eva Gratl (Audio + Video) https://we.tl/t-5Ja3ZNQtaO
- Statement Markus Neuwirth (Audio + Video) https://we.tl/t-uKeqWKJEz2
- Statement Ursula Schnitzer (Audio + Video) https://we.tl/t-w7hkcU69uc
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